Tag 5 Chianti
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27.10.2011, Siena


Bei geschlossenem Fenster kam uns die Nacht vor, wie in einem Brutkasten verbracht. Immerhin blieben wir diesmal von Mückenattacken verschont. Allerdings wussten wir nicht, was schlimmer ist – von den Biestern gestört zu werden oder das Gefühl zu haben, wegen ihnen zu ersticken…

Nach der Dusche war das Hotelfrühstück wieder das erste Highlight des Tages. Toskanische Käse- und Wurstwaren und vor allem das frische Obst (mit eingelegten Pflaumen – ein absolutes Kindheitsdejavù überkam Mary) geben Energie für den halben Tag. Mindestens.

Heute stand eine Rundreise durch das Chianti-Gebiet auf unserem Plan, Endziel die Stadt Siena mit dem muschelförmig angelegten Piazza del Campo und seinem 88 m hohen Torre del Mangia.

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Unser erster Stopp brachte uns nach San Miniato, ein kleines aber sehr schönes Städtchen, bekannt für seine weißen Trüffel. Ein Spaziergang hinauf zum höchsten Punkt bescherte uns die ersten beeindruckenden Aussichten auf die Toscana in ihrem herbstlichen Farbenspiel. Das Wetter war noch etwas diesig, was dem Ganzen einen leicht mystischen Hauch verlieh. Noch ein kurzer Aufenthalt in der Kirche, eine Kerze angezündet und über die schönen Wandmalereien gestaunt, ging es weiter in eine klitzekleine Bar für einen leckeren Kaffee und einen Blick in die italienische Zeitung. Die Bilder des Unglücks in dem kleinen, vom Regen verschütteten Dörfchen im Norden der Toscana, sprachen für sich, so dass die Sprache überflüssig war. Wirklich schlimm!

Dass Parken ohne Parkschein ähnlich wie in Holland auch in Italien sehr teuer ist, mussten wir leider am Auto angekommen feststellen. Wir hatten keinen Parkscheinautomaten gesehen, so dass wir nur die Parkscheibe eingestellt hatten und das war unser Fehler. 39,- Euro kostet uns das Vergnügen – dafür hätten wir sicher so manche Trüffel futtern können. Nun, shit happens. Oder sollte das vielleicht das Omen für diesen Tag werden?!

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Wir fuhren weiter Richtung Siena, immer wieder anhaltend, um ein paar schöne Bilder zu machen. Während Dirk sich die günstigsten Stellen suchte, schaute ich den Olivenbauern beim Ernten zu. Mit einem elektrischen Gerät, ähnlich einer Mistgabel, rütteln sie in die Zweige hinein und somit die Oliven los, die in ein darunter liegendes Netz fallen. Ich frage mich mal wieder, wer all die Oliven essen soll, die hier wachsen (sowie in Spanien und auch in Griechenland)?

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Aber weiter geht’s nach Siena. Dort angekommen, die Stadt ist größer als ich dachte, finden wir recht schnell einen guten Parkplatz mit Parkscheinuhr. Kleingeld ist hier irgendwie ein Mangel, aber wir kommen mit unserem auf ca. 16.45 Uhr und stiefeln los in Richtung Altstadt.  Zuerst  liefen wir mehr oder weniger direkt an der Altstadt vorbei, bis wir schließlich umkehrten und zurück dorthin liefen, wo wir in etwa angekommen waren. Tolle Show! Das kostete uns Zeit, die uns später für ein Essen in Ruhe fehlen sollte.

Je näher wir der Piazza del Campo kamen, umso reger wurde der Betrieb und es häuften sich die G’schäfterl in der Altstadt. Der Platz war wirklich sehr schön und es wimmelte nur so von Menschen. Während Dirk einen kurzen Rundgang für ein paar schöne Fotos machte, hockte Marion sich, wie viele andere auch, einfach auf den Boden und beobachtete das Treiben.

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Eigentlich wollten wir dann noch eine Kleinigkeit essen gehen. Eigentlich. Und eigentlich saßen wir auch schon in dem Lokal unserer Wahl, bis uns dann doch irgendwie kurz bewusst wurde, dass wir eigentlich gar keine richtige Zeit mehr hatten, um groß was zu essen. Also standen wir, unwesentlich streitend, warum, weshalb und wieso wir nun keine Zeit mehr haben, zum Leidwesen des verständnislosen Kellners wieder auf und verließen fix und mit gesenktem Haupt das Restaurante. Schmollend und verärgert liefen wir mit zügigen Schritten Richtung Auto und nahmen unterwegs nur einen Coffe to go und ein Vanille-Crossaint zu uns. Das Risiko, weitere 39,- Euro zahlen zu müssen, war uns dann doch zu groß, so etwas braucht man nicht zweimal an einem Tag! Nun, so war das alles nicht geplant gewesen und die Enttäuschung war beiderseits schon groß. Aber gut - et is, wie et is und weiter geht’s, ab Richtung Heimat. Vielleicht sieht man ja unterwegs noch etwas Nettes zum Einkehren. Aber mir schwant da schon Böses, da die Cucchinas hier stur ihre Mittagspausen machen und die gehen bis 19.30 Uhr, wie wir inzwischen wissen. Wenn andere Leute sich bettfertig machen, gehen die Italiener zum Essen. Macht im Sommer ja sicherlich Sinn, aber so?!

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Einen langwierigen Stau auf der Autobahn inkl. Vollsperrung, dem Ausweichen auf überlastete Umleitungslandstraßen, Schleichwege in Sackgasen - das Alles erlebten wir dann auf der Rückfahrt. Wir waren froh und ziemlich hungrig, als wir gg. 20:30 Uhr in Pisa ankamen.

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